Schon Anfang der 90er war die Auffassung verbreitet, räumliche Daten gebe
es zur Genüge, es fehle jedoch an Geoinformationssystemen, mit denen diese
Rohdaten zu aussagefähigen Modellen verarbeitet werden können.
Bezogen auf die Verfügbarkeit von 3D/4D-GIS scheint diese Einschätzung
auch heute noch richtig zu sein. Leider entspricht die
naheliegende Folgerung, daß einem GIS-Entwickler diese Daten für
Praxistests in geeigneter Form und Umfang auch tatsächlich zur Verfügung
stehen, nicht unseren Erfahrungen. Die Gründe hierfür sind
vielschichtig.
Geowissenschaftliche Daten müssen in der Regel unter nicht unerheblichem
finanziellen und mitunter politischem Aufwand (z.B. Bohrgenehmigungen) im
Feld erfaßt werden. Damit erhalten schon die Rohdaten einen bestimmten
wirtschaftlichen und politischen Wert, der die erste Hürde für die freie
Verfügbarkeit dieser Daten darstellt. Auch ist oft ein hoher Aufwand damit
verbunden, aus Profilschnitten die dazwischenliegenden geologischen
Schicht- und Störungsflächen halbautomatisch zu generieren. So
bestanden beispielsweise die der Geo-Gruppe der Bonner Informatik zur
Verfügung gestellten geologischen Schichtflächen der Niederrheinischen
Bucht aus nur wenigen Dreiecksnetzen mit geringen Kardinalitäten (max.
1200 Dreiecke). Für aussagefähige Praxistests sind solche Beispieldaten in
Anzahl und Kardinalität völlig unzureichend.
Ein weiteres Problem stellt die hohe Homogenität von Testdatensätzen dar,
die aus ein- und demselben Forschungsprojekt stammen. Im SFB 350 etwa
modellieren alle uns verfügbaren 3D-Flächen Schicht- und Störungsflächen
innerhalb der Niederrheinischen Bucht. Die wenigen Schichtflächen davon
wurden zudem alle aus den gleichen Bohrungspunkten erstellt. Zwar kann ein
solcher Datenbestand zur Prüfung von geometrischen Operationen (z.B.
Verschneidungen) genutzt werden, allgemeingültige Vergleiche und
Bewertungen konkurrierender Datenstrukturen können auf einer solchen Basis
jedoch nicht vorgenommen werden.
Zur Entwicklung eines vielseitigen, skalierbaren und robusten GIS-Toolkits
müssen seine Methoden und Datenstrukturen also möglichst vielen
unterschiedlichen Praxistests ausgesetzt werden. Können die dazu nötigen
Testdaten nicht aus dem eigenen Projektumfeld in genügendem Maße
rekrutiert werden (das ist im SFB der Fall), so müssen externe
Datenquellen herangezogen werden. Dies ist jedoch noch schwieriger als
die Akquisition projektinterner Quellen, da einerseits die wirtschaftlich -
politische Hürde bei externen Daten noch größer ist und diese nicht
unbedingt in einem kompatiblen Format vorliegen. Desweiteren müssen sie
nicht notwendigerweise den im GIS-Toolkit vorausgesetzten
Konsistenzkriterien genügen, so daß für jedes externe Testobjekt erst eine
aufwendige Prüfung nötig wäre.
Um allen diesen Problemen zu begegnen, wurde zur besseren Erforschbarkeit
skalierbarer GeoToolKit - Datenstrukturen ein Flächengenerator entwickelt,
der aufgrund einer einfachen Beschreibungssprache 3D-Flächen
beliebiger Größe und Dichte erzeugen kann. Die Geometrie und Topologie der
im Hintergrund generierten Flächen können vom Benutzer umfangreich
beeinflußt werden. Kurz gesagt bietet GT GeoSurf die nicht-
interaktive Generierung von 3D-Testmaterial wie Bergketten oder flache
Bodenreliefs, die in beliebiger Größe und Komplexität hergestellt werden können.